Kirche im Raum Aachen
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7. Tag der Integration im Eurogress Aachen. Bistum Aachen ist Mitveranstalter

Bewegendes Schlussbild im Europasaal mit vielen Familien.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 39/2013

Bilder, die noch lange haften bleiben

Der 7. Aachener Tag der Integration war ein großes Fest des Friedens

Ein Haus, ein großes Haus, bis in den letzten Winkel gefüllt von Menschen, bunt farbenfroh, keiner wie der andere gekleidet, und von Gerüchen, Stimmen, Tanz, Musik.

Der Eurogress in Aachen wurde auf diese Weise zum Spiegelbild der Welt im Kleinen – beim 7. „Tag der Integration“, einer gemeinsamen Veranstaltung der Stadt Aachen und des Bistums Aachen. Vorbildlich war der Tag im Eurogress aber noch aus einem anderen Grunde: Er zeigte, wie das Zusammenleben von Menschen mit Wurzeln in ganz verschiedenen Kulturen gelingen – und, vor allem: dass es gelingen kann.

Dem schuf schon die Eröffnungsfeier im großen Rahmen des interreligiösen Friedensgebetes eindrucksvolle Bilder. Eine breite Front Menschen stellt sich auf. Islamische Vorbeter sind ebenso zu erkennen wie Hindu-Priester. Geistliche der beiden großen christlichen Bekenntnisse treten ebenfalls auf. Und vor ihnen Kinder, Kinder mit Sonnenblumen – schon an sich ein Symbol des Friedens. Der „Tag der Integration“ besticht nicht nur durch den selbstlosen Einsatz der Menschen, die ihn gestalten – er schafft sich und seinem Publikum immer wieder Bilder, die im Kopf noch lange haften bleiben. So war es zum Beispiel, als Moderator Gerd Mertens vom Büro der Regionaldekane und der Vorsitzende des Integrationsrates der Stadt, Sadio Abdoulaye Barry, zusammen mit der Aachener Integrationsbeauftragten Heidemarie Ernst die Träger des Aachener Integrationspreises auf die Bühne baten.

Der mit je 750 Euro dotierte Preis geht in diesem Jahr für den Bereich der Gruppen an den iranischen Kulturverein „Rahaward“ und die „internationale Förderklasse“ des Couven-Gymnasiums. Bei den Einzelpersonen freuten sich die Vietnamesin Thi Bich Ngoc Huynh, die sich seit Jahren in einem binationalen Freundschaftskreis für den Dialog zwischen ihrem deutschem Umfeld und ihren Landsleuten engagiert, und der afrikanische Pastor Sivi Nzo Twawutuka. Öffentliche Anerkennung in einer anderen Form zollten die Redner bei der Eröffnung, die von der Jazz-Rock-Pop-Band des Landespolizeiorchesters NRW und der Soulsängerin Soleil Niklasson musikalisch umrahmt wurde.

 

Wichtig ist nicht, woher du kommst, sondern was du tust und was du bist

Stadtkämmerin Annekathrin Grehling erhob zum Beispiel in Vertretung von Oberbürgermeister Marcel Philipp „Gemeinschaft“ zum „Zauberwort des heutigen Tages“ und formulierte zum Kern der Großveranstaltung: „Integration – das ist, wenn es keine Rolle spielt, woher du kommst, sondern was du tust und bist.“ Integrationsbeauftragte Ernst forderte darüber hinaus den Willen der Bürger zum Dialog ein, denn: „Reden hilft in jeder Beziehung.“ Symbolische Aktionen gab es allenthalben und Darbietungen, die ganz unintellektuell über die Sinne das Herz und den Verstand erreichten. Zum Beispiel die Aktionen der Löwentänzer des Vereins „Vo Dao Vietnam“, die in drei Gruppen mit Trommelklang und Tänzen der von ihnen verkörperten mythischen Wesen die Gäste von den Ständen weg (insgesamt präsentierten sich im Eurogress rund 200 Organisationen) und in den großen Europa-Saal riefen. Viel getanzt wurde sowieso in den Sälen und auf den Bühnen im Foyer; auch Gospel-Ensembles und andere Chöre ließen sich vernehmen.

 

Ein bunter Markt der Möglichkeiten, der Kontakte und Vernetzung fördert

Indem der „Tag der Integration“ kreative Menschen auf der Suche nach dem Gespräch mit dem Gegenüber sicht- und hörbar machte, wurde er zu einem bunten Markt der Möglichkeiten. Schulen, Moscheen und Kulturvereine sowie andere Gruppen stellten dar, wie sie in ihrem speziellen Bereich Integration leben. Mit dabei waren auch Paul Glar und die anderen Mitglieder des Teams von der Caritas-Familienberatung. „35 bis 40 Prozent unser Klienten sind Migranten“, begründete Glar die Teilnahme am Tag im Eurogress.

Menschen mit Wurzeln im Anderswo und in Deutschland zusammenzu- führen – darum ging es ja auch den Ausrichtern. „Menschen mit unklarem Aufenthalt“, Flüchtlinge etwa, gehören ebenfalls zum Kreis derer, um die sich die Berater kümmern. Die wollen die Mitarbeiter der Caritas gerne direkt erreichen – aber nicht nur, sondern auch auf dem Weg über Multiplikatoren. Und darum steht „Netzwerkpflege und Öffentlichkeitsarbeit“ für Glar und Kollegen auf der Agenda.

 

Über 50 Drei-Generationen-Familien entern zum Finale die Bühne

Für Marion Heinzel-Dieden und Roland Hagen vom Sozialwerk Aachener Christen gibt es ähnliche Gründe, im Eurogress präsent zu sein. Der Stand sei „relevant, um Informationen zu streuen“. Das Angebot des Gesprächs über die Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekte des Sozialwerks fand dankbare Aufnahme: „Zumindest ein paar Damen haben sich für das MIKA-Programm interessiert“, das Mütter mit Kindern zwischen drei und 14 Jahren wieder zu Lohn und Brot verhilft, wie das Duo berichtet. Verlierer gab es im Übrigen auch beim „Tag der Integration“ – genauer: einen, Gerd Mertens. Der hatte gegen die Saalwette gehalten. 50 Familien, die seit drei Generationen in Aachen leben, auf die Bühne zu bekommen – das sollte nicht möglich sein? War es aber doch. Mertens, Macher, Moderator und noch mehr, hat sich jedenfalls verpflichtet, für eine ausgeloste Familie zu kochen. Was beweist: Verständigung und Freundschaft gehen halt gelegentlich doch über den Magen.


Von Christoph Hahn

Veröffentlicht am 27.09.2013

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