Kirche im Raum Aachen
http://kirche-im-raum-aachen.kibac.de/nachrichtenansicht?mode=detail&action=details&siteid=1031162&type=news&nodeid=e3d95763-cc78-4c14-98a1-c69855eb58b3
 
 
Flüchtling

Vollbild

 
 

 

KirchenZeitung Ausgabe 13/2016

Bindung und Geborgenheit bieten

„Maria im Tann“ sucht Familien, die jugendlichen Flüchtlingen für einige Jahre ein Zuhause geben

„Ich habe fast acht Jahre ohne Eltern oder Familie gelebt. In dieser Zeit habe ich gemacht, was ich wollte, was aber nicht gut für mich war“, berichtet ein junger Flüchtling, der jetzt in Aachen in einer Familie lebt. „Wir lachen oft und haben Spaß zusammen. Hier lebe ich gut“, sagt er dankbar.

Der Jugendliche aus Afghanistan lebt in einer sogenannten Sonderpflegefamilie. Jetzt sucht das Zentrum für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe „Maria im Tann“ weitere Familien in Aachen und Umgebung, in der jugendliche Flüchtlinge unterkommen können – in der Regel für zwei bis vier Jahre. Es handelt sich vor allem um Jungen ab 14 Jahre. Ein besonderer Bedarf besteht für Jungen ab 16. Vereinzelt wird auch für jugendliche Mädchen ein Zuhause auf Zeit gesucht. 

Gefragt sind Familien mit besonderer Kompetenz 

Bei Familien, die für diese Aufgabe in Frage kommen, muss ein Mitglied zwingend eine pädagogische Ausbildung haben, oder es muss eine multikulturelle Kompetenz vorliegen, zum Beispiel ein längerer Auslandsaufenthalt der Familie in den Herkunftsländern der Flüchtlinge. Die Pflegefamilien erhalten für ihr Engagement ein Erziehungshonorar, Pflegegeld und einen Beitrag zur Altersvorsorge. 

Erfahrene Mitarbeiter von „Maria im Tann“ begleiten die Familien und stehen mit Rat und Tat zur Seite. Regelmäßig gibt es Fortbildungen und Austausch mit anderen Familien. 

Seit mehr als vier Jahren nimmt „Maria im Tann“ jugendliche Flüchtlinge auf. Sie kommen aus Ländern wie Afghanistan, Syrien, Iran, Bangladesch, Äthiopien, Eritrea, Mali, Guinea oder Marokko. Sie hätten, sagt Stefan Küpper, Direktor von „Maria im Tann“, oft eine grausame Odyssee hinter sich. Manche seien Monate, teilweise Jahre unterwegs und größten Gefahren für Leib und Seele ausgesetzt gewesen. Viele von ihnen litten unter posttraumatischen Belastungsstörungen – seelischen Verletzungen, die sie in ihrer Heimat und auf der Flucht erfahren haben. Jetzt seien sie auf der Flucht vor einer schlimmen Vergangenheit und auf der Suche nach einer besseren, menschenwürdigen Zukunft. Für einige jugendliche Flüchtlinge, sagt Küpper, sei eine Familie wie „ein Zurückkehren in ein Nest“, daher noch mal ein ganz wichtiger Schritt. 

„Es geht darum, Geborgenheit zu vermitteln, Bindung und einen sicheren Hafen zu bieten, aber auch Struktur, Orientierung und Regeln.“ Die jungen Menschen brauchten viel Hilfe, um ihre eigene Lebensgeschichte und Kultur mit ihren neuen Erfahrungen und der europäischen Kultur in Einklang zu bringen. 

Die Sonderpflegefamilien würden sehr sorgfältig ausgewählt. Man schaue sich Profil, Familienkonstellation und Lebenssituation an und überlege dann, für welchen Jugendlichen die jeweilige Familie gut passen könne: „Wir vermitteln keine Akten, sondern Jugendliche, und setzen alles dran, vorher zu wissen, dass das vermutlich zu 100 Prozent klappt.“ Die Familien, weiß Stefan Küpper, müssten Freude daran haben, Flüchtlinge auf ihrem Weg in ein eigenständiges Leben und in die Integration in unserer Gesellschaft zu begleiten. 

Ein überaus wichtiger Beitrag zur Integration 

„Eine Sonderpflegefamilie muss vor allem sehr offen sein für das, was ganz anders ist“, erklärt der Leiter von „Maria im Tann“ mit Blick auf den kulturellen Hintergrund der Flüchtlinge. Bei allen Unterschieden gäbe es auch die gleichen Herausforderungen, die alle Eltern mit ihren heranwachsenden Kindern zu bewältigen hätten. „Das ist ein höchst integrativer Akt, den eine solche Familie leistet“, betont Küpper. Die Begegnungen in der Familie, mit Nachbarschaft, Freunden und Verwandten fördere die Integration ungemein. Wer Interesse an dieser Aufgabe hat, kann sich telefonisch melden unter 02 41/70 50 50 oder eine E-Mail schicken an info@mariaimtann.de

Zitiert 

Eine Sonderpflegefamilie muss vor allem sehr offen sein für das, was ganz anders ist. 

Stefan Küpper, Direktor von „Maria im Tann“ 


Von Paul Heesel

Veröffentlicht am 23.03.2016

Test