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Alexianer Aachen bieten Beratung für Angehörige von Menschen mit depressiven Erkrankungen an

Eine Depression ist nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für Angehörige eine große Herausforderung.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 47/2015

Der Leidensdruck kann riesig sein

Mutmacher und Hilfe sind wichtig für Angehörige von Menschen, die an einer Depression leiden

„Ich bin wirklich für sie da und möchte das mit ihr durchstehen, aber inzwischen weiß ich auch nicht mehr weiter.“ So geht es vielen Angehörigen von depressiven Menschen. Bei aller Liebe und Hilfsbereitschaft kann ihr Leidensdruck riesig werden.

Hilflosigkeit, Wut und Ärger mit Blick auf den Kranken, der keine Ratschläge annimmt; und Schuldgefühle wegen der eigenen lieblosen Gedanken. Hier sind Mutmacher, konkrete Hilfen und das Gespräch mit anderen Betroffenen gefragt.

 

Er hätte doch wenigstens den Rasen mähen können

Solche Mutmacherinnen sind Martina Wiesehöfer und Leonie Afflerbach, Sozialarbeiterinnen am Alexianer-Krankenhaus in Aachen. „Wir möchten gemeinsam mit den Angehörigen herausfinden, wie sie ihre Schwierigkeiten bewältigen können“, sagt Wiesehöfer. „Ich erlebe sie oft unter großem Druck.“ Sie könnten sich schwer abgrenzen und litten darunter, wenn sie ungeduldig oder unfreundlich gewesen sind, und ihr Versuch, den Kranken zu motivieren, wieder einmal gescheitert sei: „Er hätte doch wenigstens den Rasen mähen können.“ Viele Angehörige glaubten, dass es ihr Auftrag sei, den Kranken aus der Depression zu holen, erzählt Wiesehöfer. „Im Grunde genommen kann aber ein Angehöriger nur erkennen, dass er nichts tun kann, außer wirklich geduldig zu sein.“

 

Es tut gut, sich mit anderen auszutauschen

Angehörige seien nicht zuständig und nicht verantwortlich dafür, dass der Kranke wieder gesund wird. „Sie sind Begleiterin oder Begleiter.“ Alles, was sie entlaste und ihre Kräfte schone, unterstütze auch den Kranken, dessen Genesung Zeit brauche. Das vermitteln die beiden Sozialarbeiterinnen auch mit ihrem neuen Beratungsangebot, das alle zwei Wochen stattfindet.

Gemeinsam mit den Angehörigen werde überlegt, wie sie entlastet werden können. „Dazu schauen wir individuell, welches Potenzial in jedem steckt“, erklärt Leonie Afflerbach. „Vielleicht kann über eine Pflegestufe oder zusätzliche Betreuungsleistungen Hilfe ins Haus geholt werden. Vielleicht kann für den Angehörigen eine Gesprächstherapie gut sein, um mit der Situation besser umgehen zu können“, sagt Wiesehöfer. Wichtig sei der Austausch mit Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind. Es tue gut, über die eigene Hilflosigkeit, über Gefühle, Konflikte und Überforderung zu sprechen. Tipps und Erfahrungen anderer Betroffener seien ebenfalls nützlich. „Wir machen mit unserem Gesprächsangebot Angehörigen Mut, ihre große Aufgabe zu Hause zu meistern und sich genug Zeit für sich selbst zu nehmen, für Sport und Kino, für Auszeiten, die ihnen gut tun.“

 

Die Krankheit wirklich gemeinsam durchstehen

Die meisten wollten die Depression wirklich gemeinsam mit dem Kranken durchstehen. Umso wichtiger sei es, sich Glücklichsein zuzugestehen und am Ende des Tages festzustellen: „Ja, ich habe heute schon gelacht und es hat mir gut getan.“

 

Zur Info

Die Termine des kostenlosen Beratungsangebots, das man spontan ohne Anmeldung besuchen kann, sind erhältlich unter Tel. 0241/4770115641 oder unter www.alexianer-aachen.de.


Von Paul Heesel

Veröffentlicht am 18.11.2015

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