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Suchthilfe der Caritas bereitet auf Medizinisch-Psychologiesche Untersuchung vor

Bernd Kogel ist Suchttherapeut und leitet bei der Suchthilfe Aachen die Vorbereitung auf die MPU.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 03/2016

Führerschein und Lebensqualität

Die Suchthilfe von Caritas und Diakonie bereitet auf die Medizinisch-Psychologische Untersuchung vor

„Der Führerschein steht für mich gar nicht mehr im Vordergrund“, sagt Peter (Name geändert), „sondern die neue Lebensqualität, die mir der Kurs ermöglicht.“ Peter bereitet sich bei der Suchthilfe Aachen auf die MPU vor, die Medizinisch-Psychologische Untersuchung.

2014 war ihm wegen Alkohol am Steuer der Führerschein entzogen worden. Bei der MPU muss er deutlich machen, dass er zukünftig wieder sicher Auto fährt. Die MPU ist kein „Idiotentest“, wie es im Volksmund heißt, sondern eine Kombination von medizinischer und psychologischer Untersuchung. 2014 wurden in Deutschland 91536 MPU durchgeführt. 35,3 Prozent der Teilnehmer fielen durch, müssen weiterhin auf ihren Führerschein verzichten und beim nächsten Versuch wieder die Kosten tragen. Die Gebühren betragen je nach Anlass des Führerscheinentzugs bis zu 750 Euro.

 

Offen, ehrlich und selbstkritisch sollte man sein

Ist Alkohol im Spiel, kommen noch mehrere hundert Euro für die Abstinenzkontrollen dazu. Peter darf wegen der MPU ein Jahr lang keinen Alkohol trinken, was sechsmal kurzfristig angekündigt kontrolliert wird. „Wer eine MPU bestehen will, sollte sich gut vorbereiten“, empfiehlt Bernd Kogel, Suchttherapeut bei der Suchthilfe. „80 Prozent fallen bei der psychologischen Untersuchung im Rahmen der MPU durch. Offenheit, Ehrlichkeit und eine selbstkritische Einstellung sind notwendig.“ Das Gespräch mit dem Psychologen dauere 60 bis 75 Minuten. Dabei gehe es nicht um Seelenstriptease oder Psychotricks. Man müsse deutlich machen, dass man sein Leben so verändert hat, dass zukünftig Alkoholfahrten unwahrscheinlich sind.

Was besonders interessiere, seien die Hintergründe, die zum Missbrauch von Alkohol geführt haben. Bei Peter war das der Leistungsdruck, den er seit Kindertagen kennt. „Eine drei auf dem Gymnasium war schon mit Strafaktionen verbunden.“ Später hat er sich den Druck selbst gemacht, beruflich total verausgabt und mit Alkohol „erholt“. „Dabei hätte ich damals das Trinken und die Arbeitsbelastung nie in Zusammenhang gebracht.“ Das ist ihm erst beim Vorbereitungskurs der Suchthilfe aufgefallen.

 

Hobbys und Selbsthilfegruppe geben Stabilität

Weil er es sich finanziell erlauben kann, wird der Frühpensionär daher zukünftig nicht mehr arbeiten. „Dabei käme es am ehesten wieder zu einem Rückfall.“ Außerdem hat sich Peter neue Hobbys zugelegt: „Makrofotografie, und am Wochenende hole ich einen Hund aus dem Tierheim, immer denselben. Ich spiele wieder Tischtennis, was ich schon dreißig Jahre nicht mehr gemacht habe, und gehe schwimmen.“ Stabilität gibt ihm auch eine Selbsthilfegruppe beim Kreuzbund. „Erst im Vorbereitungskurs ist mir klar geworden, dass ich früher oft alkoholisiert gefahren bin. Ein Weizen oder zwei, drei Kölsch – kein Problem. Ich hielt mein Trinkverhalten für vollkommen normal. Es hatte keine privaten, beruflichen oder finanziellen Auswirkungen. Die Fassade stimmte.“

Der Vorbereitungskurs der Suchthilfe dauert sechs Monate und kostet 750 Euro. Über 90 Prozent der Anwärter bestehen die Prüfung. Interessierte können alle fünf Wochen einsteigen. Der nächste Kurs startet am 19. Januar. Vorab muss mit Bernd Kogel (Tel. 0241/41356128) ein unverbindliches Gespräch geführt werden. Kogel ist überzeugt, dass Geld und Aufwand gut investiert sind. „Der Führerschein ist ja nur das Abfallprodukt der Bemühungen. Viel mehr zählt, was man an Lebensqualität und Leistungssteigerung, an klarem Kopf, an Wohlbefinden, neuen Kontakten und Interessen gewinnt.“


Von Paul Heesel

Veröffentlicht am 13.01.2016

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