Kirche im Raum Aachen
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Für ehrenamtliche Helfer bietet der Regionale Caritasverband eine offene Sprechstunde an

Tanja Berghoff und Heidi Baumsteiger wissen Rat, wenn Ehrenamtliche Unterstützung brauchen.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 10/2016

Hilfe für Helferinnen und Helfer

Offene Sprechstunde des regionalen Caritasverbands für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe

Flüchtlinge in existenzieller Not zu begegnen, von ihren schrecklichen Erlebnissen zu hören und ihnen nicht immer so helfen zu können, wie sie das erhoffen, kann belastend sein. Heidi Baumsteiger hilft den Helfern und berichtet im Gespräch mit der KirchenZeitung von ihren Erfahrungen.

Warum bietet die Caritas diese Sprechstunde an?

Viele Helfende werden mit schlimmen Dingen konfrontiert. Da kommen Menschen, die nicht mehr besitzen als einen Koffer. Viele Flüchtlinge haben Schreckliches erlebt und erzählen es. Das kann nicht jeder verarbeiten. Damit wollen wir die Ehrenamtlichen nicht alleine lassen.

 

Warum engagieren sich so viele Menschen für Flüchtlinge?

Sie sind berührt von den Bildern in den Medien, von der Hilflosigkeit und Schutzlosigkeit, in die Menschen schuldlos geraten sind. Manche suchen Nähe und wollen vielleicht die Rolle der Oma, der Tante oder des Onkels einnehmen. Manchmal hat das etwas sehr Behütendes. Und irgendwie ist Engagement für Flüchtlinge einfach gemeinschaftsstiftend und bereichernd.

 

Was macht die Arbeit mit Flüchtlingen schwierig?

Ihre Kultur ist uns fremd. Es kommt zu Verletzungen und Verärgerung, wenn Flüchtlinge sich anders verhalten, als die Helfer erwarten. Schwierig ist auch, wenn man weiß, dass sie keine Bleibe-Perspektive haben, und ihre Angst und Verunsicherung miterlebt. Flüchtlingsarbeit hat viel mit Abschiednehmen zu tun.Wer als Helfer selbst viele Abschiede und Brüche in seinem Leben erlebt hat, wird auch damit nochmal konfrontiert.

 

Sollte man Flüchtlingen beim Asylverfahren helfen?

Rechtliche Fragen muss man den Profis überlassen, zum Beispiel dem Café Zuflucht in Aachen. Asylverfahren sind sehr kompliziert. Halbwissen aus dem Internet kann Flüchtlinge in zusätzliche Schwierigkeiten bringen.

 

Was raten Sie Menschen, die sich für Flüchtlinge engagieren wollen?

Helfer sollten auch gut auf sich selbst aufpassen. Wer sich einen Abend pro Woche für zwei Stunden engagieren möchte, der darf nicht drei Abende daraus werden lassen. Man muss mit den schrecklichen Erlebnissen, die Flüchtlinge erzählen, umgehen können.

 

Wie sollte man Flüchtlingen begegnen?

Mit Respekt. Und man sollte ihre Stärken und Ressourcen sehen. Die bedürftige Lage, in der sie im Moment sind, verleitet dazu, sie selbst als rundum bedürftig wahrzunehmen. Das sind sie nicht. Wer von Mali nach Deutschland flüchten konnte, findet in Aachen auch alleine den Weg zum Sozialamt.

 

Was macht Helfenden besondere Freude?

Dass sie ganz große Dankbarkeit und Offenheit bei den Flüchtlingen erleben und bei den Allermeisten eine unglaubliche Motivation, diese nicht gerade einfache deutsche Sprache zu lernen und unser Land kennenzulernen.

 

Wie geht es Ihnen als Helferin für die Helfer?

Es ist sehr viel Arbeit, aber ich lerne unglaublich viele freundliche, offene, hilfsbereite und liebenswerte Menschen unter den Helfern kennen. Das motiviert mich sehr. Was wünschen Sie sich für die Zukunft? Die Flüchtlingsfrage wird uns noch lange begleiten. Wir müssen Wege für die Integration der Menschen finden und gehen. Die anderen sozialen Fragen dürfen wir dabei aber nicht aus dem Blick verlieren.

 

Das Gespräch führte Paul Heesel.


Veröffentlicht am 02.03.2016

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