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Regionaldekan Josef Voss beendet Ende Juni seine Amtszeit

Zwei Arbeiter im Weinberg des Herrn: die Pfarrer Josef Voß (r.) und Josef Wienand. Letzterer nimmt in der Vakanz Aufgaben des verstorbenen Regionaldekans Hans-Rolf Krewinkel wahr.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 26/2013

Spannend war es – und anstrengend

Regionaldekan Josef Voß beendet seine Amtszeit Ende Juni

Am liebsten wäre ihm, wenn es niemand mitbekäme. Das spricht für seine Bescheidenheit. Aber das öffentliche Amt erfordert auch einen öffentlichen Abschied. Josef Voß, Pfarrer im Aachener Nordwesten, beendet turnusgemäß zum 30. Juni 2013 sein Amt als Regionaldekan für die Bistumsregion Aachen-Stadt.

Als der Geistliche vor fünf Jahren Pfarrer Hans-Georg Schornstein nachfolgte, der das Amt zehn Jahre lang ausgeübt hatte, war ihm vieles neu und fremd. Die Begegnungen, die ihm die Rolle des Regionaldekans ermöglichte, hätten ihn bereichert, wie er heute sagt. Sein persönlicher Horizont habe sich erweitert, in dieser quirligen Region, mit den vielen Querverbindungen zwischen Kirche, Politik und Gesellschaft, mit den Weg weisenden sozialpastoralen Projekten und Aktionen, den Persönlichkeiten in der örtlichen Kirche, im Klerus ebenso wie unter den Laien.
Was er entschlossen auf der Habenseite seines Einsatzes verbucht, hat aber für ihn auch eine Kehrseite gehabt. Denn jede dieser Begegnungen, Kooperationen, Vorhaben kostete Zeit, Aufmerksamkeit, ja auch Kraft. Für Josef Voß, der mit Haut und Haar ein leidenschaftlicher Seelsorger in seinen Gemeinden ist und sein will, bedeutete somit das Amt des Regionaldekans einen Spagat zwischen öffentlichen und persönlichen Ansprüchen – eine Zerreißprobe, die er nach relativ kurzer Zeit für sich so gelöst hat: Er macht es einmal, auch, wie es das in ihn gesetzte Vertrauen gebietet, gut und bis zum Ende, und dann ist aber Schluss.
Wenn er jetzt geht, dann wird er eines sicherlich nicht vermissen: den Titel. Seine Maxime lautet: „Wenn der Mensch nichts gilt, ist der Titel auch egal.“ Ein typischer Josef-Voß-Satz. Die Menschen in der Bistumsregion Aachen-Stadt haben ihn so kennengelernt, als Freund markanter, stets treffender, hintergründiger Sprüche, die Anstöße geben, ernst gemeinte Wertschätzung transportieren, Bodenständigkeit und tiefe Verwurzelung im Glauben ausdrücken. Wer mit ihm spricht, spürt die Hoffnung und die Kraft, welche die Frohe Botschaft auch in die Welt von heute tragen kann und soll.
Hierarchisches Denken und Reden steht dem in seinen Augen entgegen. „Wir leben nicht von der Struktur. Wir leben von Gottes Wort am Menschenort“, bekräftigt Voß den sympathischen Ansatz der Bistumsaktion, in die er sich gleich zu Beginn seiner Amtszeit hineingestürzt hat. Gerne hätte er in den Folgejahren eine ähnliche, spirituell inspirierte Aktion in der Bistumsregion Aachen-Stadt gestartet, allein, es fehlte nicht nur ihm die Zeit und Energie, sondern generell waren die Gemeinden nach seiner Wahrnehmung gelähmt und mit sich selbst beschäftigt, ausgelöst von den vielen Veränderungen in der Verwaltung, allen voran den Fusionen.


Mit seinem Einsatz hat er Zeichen gesetzt für das Wirken der Kirche

Die pastoralen Neuaufbrüche, die sich in seiner Amtszeit gleichwohl in Aachen entwickelten, hat er gerne gesehen. Nachhaltig beeindruckt haben ihn, dessen Radius als Pfarrer sich auf einen eher wohlhabenden Teil Aachens beschränkt, die vielen sozialen Aktivitäten, bei denen Kirche in der Kaiserstadt mitmischt. Zum Beispiel das Engagement für arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen. In seiner Amtszeit haben sich die Rahmenbedingungen für die bewährten Arbeitslosenprojekte dramatisch verschlechtert.
Da hat er gerne das Gewicht seines Amtes in die öffentliche Wagschale geworfen. Geholfen hat das nur bedingt, auch hier wieder Grenzen, die er wahrgenommen hat. Aber die Solidarität mit Frauen und Männern, die durch Betriebsschließungen ihre Arbeit zu verlieren drohten oder verloren – die kam zu 100 Prozent an. Seine ehrlichen Worte vor Werkstoren und bei Umzügen und Treffen haben den Betroffenen und ihren Familien gut getan. Dass Kirche und Christen an ihrer Seite standen, war für sie gut.
Zeichen setzt die katholische Kirche in Aachen auch im Miteinander mit anderen Religionen. So engagiert sie sich zum Beispiel zum 7. Mal für den Tag der Integration. Einen großen persönlichen Einsatz erbrachte Josef Voß mit seinem Mut, als katholischer Geistlicher die Grundsteinlegung der neuen Yunus-Emre-Moschee mit zu gestalten. Für dieses interreligiöse Zeichen hat er viel Zustimmung, aber auch harsche Polemik erfahren. Für ihn eine große, Kraft zehrende Enttäuschung.
Nun geht Josef Voß, menschlich und pastoral bereichert und inspiriert, vermisst bereits jetzt das Team seines Büros an der Eupener Straße, das er sehr geschätzt hat und für dessen Unterstützung er unendlich dankbar ist. Ein Nachfolger ist zurzeit noch nicht in Sicht. Auf den scheidenden Dekan warten genug Herausforderungen in seinen Gemeinden. Laien bringt er in Leitungsverantwortung, die Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden wird intensiviert, – langweilig wird es sicher nicht.


Von Thomas Hohenschue

Veröffentlicht am 30.06.2013

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