Kirche im Raum Aachen
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Das Aachener Vinzenz-Heim lädt Flüchtlingskinder zum Spielenachmittag ein

Bewegungsfreude verbindet die Kulturen: Im Pausenraum ist ein großes Hüpfkissen für Flüchtlingskinder, Bewohner und junge Helfer aufgebaut.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 46/2015

Spielen ohne Grenzen in Aachen

Vinzenz-Heim öffnet seine Pforten für gemeinsame Spielnachmittage mit Flüchtlingsfamilien

Wenn die Geschwister Hasan und Delia gemeinsam mit Florian spielen und Spaß haben, spielt Sprache keine große Rolle. Die drei verstehen sich auch ohne Worte. Gesten mit den Händen oder ein Lächeln genügen.

Florian lebt im Vinzenz-Heim, dessen Fachbereichsleiter für Kinder und Jugend, Horst Thelen, jetzt einen offenen Treff für Flüchtlingskinder initiiert hat. Florian ist 17 Jahre, der Kontakt mit neuen Leuten macht ihm große Freude. „Unsere Jugendlichen haben ja auch Sprachprobleme, da ist ihnen egal, ob ihr Gegenüber Deutsch spricht. Sie kommen schnell in Kontakt. Dabei geht es nicht darum, wie alt jemand ist oder wo er herkommt“, erzählt Thelen über die besondere Situation.

 

Kleine Auszeit vom tristen Alltag in der Unterkunft

Florian hat sich nach der ersten Begegnung schon die ganze Woche auf das nächste Treffen gefreut, wie er begeistert erzählt. Die Idee zu dem Treffen in der Mehrzweckhalle und auf dem Pausenhof entstand bei Thelen durch den Besuch einer Informationsveranstaltung in St. Aposteln. „Hier habe ich von den syrischen Flüchtlingsfamilien erfahren, die am Kalverbenden im Gebäude der Fachhochschule untergebracht sind“, erklärt Thelen. Unter dem Motto „Refugees welcome“ hat er ein Angebot geschaffen, das den Kindern eine kleine Auszeit von ihrem tristen Alltag ermöglicht. Viele Mütter kommen mit, schieben ihre Kinder auf Laufrädern und passen an der Hüpfburg auf die Jüngeren auf. Unter den Vinzenz-Kindern ist auch der 13-jährige Fredo. „Ich komme von Haiti, habe nun hier ein Zuhause gefunden und kann mich in die Situation der syrischen Kinder einfühlen“, erklärt der hilfsbereite Junge. Geduldig erklärt er einem syrischen Jungen, wie er das Fahrrad richtig benutzt. Und passt auf, dass er nicht stürzt.

 

Ein Beitrag zur Integration und Nachbarschaftspflege

Drinnen und draußen herrscht bei schönem Herbstwetter ein munteres Treiben, es wird viel gelacht beim Üben mit dem Fahrrad. Andere spielen Fußball. „Das ist gelungene Integration“, bewertet Thelen, der gemeinsam mit Einrichtungsleiterin Gudrun Jörißen das Geschehen verfolgt. „Für uns ist das auch eine Form der Nachbarschaftspflege“, erklärt Thelen. Auch Jörißen freut sich, einen kleinen Beitrag für das Miteinander mit den neuen syrischen Mitbürgern zu leisten: „Die Idee kommt super an, und Spielgeräte sind ja vorhanden, so dass keine Kosten entstehen.“ Der 17-jährige Kevin freut sich über die Abwechslung: „Einige der syrischen Kinder sprechen ein wenig Englisch. Sich richtig zu unterhalten ist schwierig, aber die Begegnung empfinde ich als Bereicherung. Ich weiß ja, wie schwer die Kinder es hatten“, erzählt der Jugendliche. Die Freude ist allen anzusehen. Voller Bewegungsdrang geht es auf die Hüpfburg, die jede Woche gemeinsam aufgebaut wird. Bei schönem Wetter sind auch die Schaukeln, das Erdtrampolin, die Rutsche, der Klettergarten und der Sandkasten beliebt. Die offene Spielzeit für Kinder zwischen drei und 15 Jahren im Vinzenz-Heim Aachen am Kalverbenden 91 findet jeden Mittwoch von 16 bis 18 Uhr statt.


Von Nina Krüsmann

Veröffentlicht am 11.11.2015

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