Kirche im Raum Aachen
http://kirche-im-raum-aachen.kibac.de/nachrichtenansicht?mode=detail&action=details&siteid=1030266&type=news&nodeid=ed015907-930f-4e57-a224-cc5921eb4d02
 
 
Hans Mülders leitete 35 Jahre die Aachener Pax-Bank

Chef, ärgere dich nicht: Hans Mülders mit einem selbst gebastelten, liebevollen Geschenk seiner Mitarbeiter.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 48/2015

Steuermann in schwerem Gewässer

Hans Mülders führte Aachener Pax-Bank 35 Jahre lang durch Veränderungen in Kirche und Finanzwesen

1992. Polizisten mit Maschinenpistolen säumen die Aachener Jakobstraße. Sicher ist sicher, wenn Millionenwerte im buchstäblichen Sinne bewegt werden. Nur selten erregt die Pax-Bank in Aachen soviel Aufmerksamkeit wie in jenem Moment, als sie an den Löhergraben umzog.

Schon mittendrin, damals wie heute: Hans Mülders. Der Mann mit der markanten, nach hinten gekämmten, inzwischen ehrwürdig ergrauten Mähne ist bereits seit 35 Jahren der Direktor der Aachener Filiale. Nun tritt das Undenkbare ein: Zum Ende dieses Novembers 2015 geht Hans Mülders in den Ruhestand.

Der wortgewandte Banker arbeitete seit dem spektakulären Umzug Anfang der 90er Jahre einen Steinwurf von dem Viertel entfernt, in dem er als Sohn einer Bäckersfamilie aufgewachsen ist. Im Jakobsviertel hat er nicht nur seine Heimatliebe entwickelt und die Bodenständigkeit des Handwerks mit in seine berufliche Laufbahn mitgenommen, sondern auch das Katholische ist ihm im Schatten der stadtbildprägenden Kirche St. Jakob quasi in der Muttermilch mitgegeben worden. Nach einer Ausbildung bei einer Aachener Bank mit einer anschließenden Beschäftigung bewarb er sich erfolgreich bei der Pax-Bank.

Damals war der Alltag dort noch recht beschaulich, blickt Mülders auf seine Anfänge zurück. Wie bei den institutionellen Kunden aus Kirche und Caritas tickten der Rhythmus und die Technik noch in einem ganz anderen Takt als heute. Die Sparbücher wurden per Hand geführt, die Kontonummern waren fünfstellig, die maschinelle Unterstützung beschränkte sich im Kundenkontakt auf Taschen- und Tischrechner.

 

In allen Jahrzehnten war ein steter Wandel

Seitdem hat sich das Geschäft gewandelt, das Umfeld sowieso. Die Computer zogen ein, neue Nummern, neue Vorschriften. Die Vorbereitung auf das Jahr 2000. Die Euro-Umstellung. Und die Crashs – erstmal das Platzen der High-Tech-Blase Ende der 90er Jahre und dann die große Finanzkrise seit 2008, nahtlos übergegangen in die Eurokrise. Einfacher wurden die Bedingungen für die Pax-Bank nicht, wie auch für die Kunden selbst. Mülders ist stolz darauf, dass die Pax-Bank Aachen gut durch dieses aufgewühlte Gewässer gesteuert ist.

Das ist dem scheidenden Filialleiter insofern umso mehr Anlass für Dankbarkeit, als dass auch das direkte Umfeld große Turbulenzen durchmachte, konkret in den Zeiten der Bistumskrise. Diese sei voll durchgeschlagen, erinnert sich Mülders alleine an die Mitarbeiter des Bistums, die aus Enttäuschung ihre Geschäftsbeziehungen zur Hausbank von Kirche und Caritas gekündigt hätten. Auch die Missbrauchskrise in der deutschen Kirche und die öffentliche Debatte um den ehemaligen Limburger Bischof seien in der Aachener Filiale spürbar gewesen, insofern fungiere das Institut als Seismograph für die Stimmungsausschläge, die kirchliche Ereignisse in der Bevölkerung auslösten, sagt der 64-Jährige.

 

Immer unterwegs, als Direktor und im Ehrenamt

Viele Menschen kennen Hans Mülders nicht nur aus den Kontakten in der Bank. In seiner Funktion als Filialdirektor der Pax-Bank war er ständig im Bistum unterwegs, beriet und verhandelte mit zahlreichen Entscheidern bei kirchlichen und karitativen Einrichtungen. Darüber hinaus aber engagierte sich Hans Mülders unermüdlich im Ehrenamt und tut es weiterhin. Das hat er aus seiner Zeit in der Jugendarbeit mitgenommen, seit seinem zwölften Lebensjahr, wie er erzählt. Zehn bis 14 Ehrenämter waren es immer in seiner Zeit als Banker, berufsbegleitend. Kleine, stille Ämter gehören ebenso dazu wie Aufgaben mit großer Verantwortung.

Seit 20 Jahren zum Beispiel ist er Vorsitzender des Katholischen Vereins für soziale Dienste (SKM) in Aachen, mit zwei Seniorenzentren und einer großen Zahl von Mitarbeitern. Bekannt ist auch Mülders Einsatz für den Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Aachener kennen diesen Orden nicht zuletzt von feierlichen Pontifikalämtern im Dom, bei denen die Ritter und Damen in Gewändern einziehen und in der Chorhalle Platz nehmen. Da viele Ehrenämter sich mit Herzblut und Freundschaften verbinden, wird Mülders sie nicht alle abgeben, wenn er in Ruhestand geht. Im Gegenteil hat er schon neue angenommen. „Ich habe soviel Gutes in meinem Leben erfahren, ich möchte davon etwas zurückgeben,“ begründet er. Und freut sich auf viele intensive, hoffentlich gesunde Jahre im neuen Lebensabschnitt.

 

Zitiert

Ehrenamt ist das, was mir Freude macht. Denn es ist sinnvoll und es eröffnet mir die Möglichkeit, etwas von dem zurückzugeben, was mir in all den Jahren gegeben worden ist.

Hans Mülders


Von Thomas Hohenschue

Veröffentlicht am 25.11.2015

Test