Kirche im Raum Aachen
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Steinfeld

In der Basilika Steinfeld öffnete Weihbischof Karl Reger feierlich die Heilige Pforte.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 51/2015

Türen, die die Welt verändern

Auch in fünf Regionen wurden zu Beginn des Heiligen Jahres Pforten der Barmherzigkeit geöffnet

Am dritten Adventssonntag wurden in der Basilika in Steinfeld, in St. Salvator Heimbach, im Schönstattheiligtum Baesweiler-Puffendorf und in St. Vitus Mönchengladbach Pforten der Barmherzigkeit geöffnet. Die Öffnung der Pforte in St. Kornelius Kornelimünster musste kurzfristig verschoben werden.

Täglich gehen wir durch unzählige Türen – und denken uns meist nichts dabei. Manchmal bekommen Türen für uns aber auch eine besondere Bedeutung: Ob die Braut über die Schwelle getragen wird oder ein Besucher vor dem Krankenzimmer steht – eine Tür kann unsere Welt verändern. So wie die Heilige Pforte, die jetzt in der Basilika Steinfeld eröffnet wurde. Symbolisch wurde mit ihr das „Heilige Jahr der Barmherzigkeit“ für die Eifel eröffnet. 

Nachdem Papst Franziskus die Heilige Pforte in Rom eröffnet hatte, folgen nun nach und nach Wallfahrtskirchen und Basiliken auf der ganzen Welt. Zur Eröffnung in der Basilika Steinfeld war Weihbischof em. Karl Reger aus Aachen gekommen. „Öffnet mir die Tore zur Gerechtigkeit“, sprach er. 

Die Geistlichen hatten sich vor der Heiligen Pforte im Vorraum der Basilika versammelt. Schwaden von Weihrauch erfüllten den Raum, während der Weihbischof das Gebet sprach. Obwohl die Basilika voll besetzt war, herrschte gespannte Stille, als er mit goldener Mitra und Bischofsstab als erster über die Türschwelle schritt.   

 

Auch Muslime sind eingeladen  

Pater Wiesław Kaczor von den Salvatorianern in Steinfeld appellierte in seiner Predigt an die Gläubigen, nicht nur durch die Pforte zu schreiten, sondern gleichzeitig die Tür im Herzen zu öffnen: „Im Jahr der Barmherzigkeit können wir üben, der Not unserer Mitmenschen christlich zu begegnen.“ Auch die Muslime seien eingeladen, das Jubeljahr mitzufeiern, denn auch „der Koran verkündet Gottes Barmherzigkeit“. 

Für Besucher der Basilika Steinfeld liegt ein Gebetsheft bereit. An sieben Stationen in der Kirche, etwa am Marienaltar oder am Grab des heiligen Hermann Josef, können die zusammengestellten Gebete und Impulsfragen den „Weg der Barmherzigkeit“ begleiten. 

Feierlich ging es auch in Heimbach zu: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“, ließ Regionaldekan Hans Doncks die Gemeinde in St. Clemens volltönend anstimmen, ehe Kommunionkind Luca die Pforte der Barmherzigkeit zu St. Salvator aufschloss. 

Gestaltet wurde sie von den Kindern der örtlichen Gemeinschaftsgrundschule Schönblick, die der Durchgangstür einen optischen Rahmen gegeben haben. Er erinnert die Durchschreitenden an die vielen Möglichkeiten, barmherzig zu sein. 14 Kollagen entwarfen die Kinder, die Themen von der „Barmherzigkeit des Geistes“ und der „stärkenden Botschaft des Herrn“ bis zu lebenspraktischen Beispielen wie „Trauernde trösten“, „Unwissende lehren“ und „Nackte kleiden“ behandeln. Dazu ergänzte Pfarrer Doncks: „Barmherzig ist, wer teilt. Barmherzig ist, wer hilft. Barmherzig ist, wer verzeiht.“ Er lud die Gläubigen ein, die Pforte schweigend und das Kreuzzeichen schlagend zu durchschreiten. 

In seiner Predigt erinnerte der Regionaldekan an die Intention von Papst Franziskus, die Tore der Gerechtigkeit zu öffnen und zwar nicht nur im Petersdom, sondern weltweit – stellvertretend für die Region Düren in der Heimbacher Wallfahrtskirche. 

Dass die Pforte auf zwei Wegen durchschritten wird, machte Doncks den Messbesuchern bewusst: Beim Betreten käme man zu Jesus und Gott als personifizierte Barmherzigkeit. Sie nähmen die Menschen an. Beim Verlassen des Gotteshauses passieren die Gläubigen mit diesem Bewusstsein das Tor und sollten sich so in den Dienst anderer stellen: „Ich lasse mich senden zur Barmherzigkeit und Güte. Nichts brauchen die Menschen mehr als das.“   

 

Selbst zur offenen Tür für andere werden  

Eigentlich gebe es einen festen Ablauf für die Öffnung der Pforten, sagte Pfarrer Ferdi Bruckes und blickte beziehungsreich auf die Tür des Heiligtums im Schönstattzentrum und dann auf die rund 200 Menschen, die sich davor versammelt hatten. Der sehe vor, dass die Gläubigen nach der feierlichen Öffnung der Pforten durch diese hindurch gingen, um in dem nun geöffneten Gotteshaus die heilige Messe zu feiern.

Da das Heiligtum in Baesweiler-Puffendorf jedoch nur Platz für einen Bruchteil der Gläubigen geboten hätte, die aus dem ganzen Bistum zur Öffnung der Pforte der Barmherzigkeit gekommen waren, hatten die Organisatoren den Ablauf umgedreht. Zum Auftakt gab es erst den Gottesdienst im Haus der Begegnung, ehe die Gemeinde gemeinsam mit Pfarrer Ferdi Bruckes, Leiter der Pfarrei St. Marien Baesweiler, in einer feierlichen Prozession zum Heiligtum zog. 

Hier öffnete er nach dreimaligem Klopfen die mit Tannen und Rosen festlich bekränzte Tür der Kapelle. Sie ist eines von fast 200 Filialheiligtümern weltweit, die mit dem Bildnis der Gottesmutter aus dem Urheiligtum in Schönstatt/Vallendar an das Liebesbündnis erinnern, das Pater Josef Kentenich, Gründer der Schönstattbewegung, 1914 mit Maria geschlossen hat. 

In jedem Heiligtum steht ein großer Krug, in den die Besucher einen Zettel legen, auf den sie schreiben, was sie vor Gott und Maria tragen. Daran anknüpfend hatten alle Gottesdienstteilnehmer auf kleine Zettel geschrieben, wo sie sich als schuldig empfinden und um Gottes Barmherzigkeit bitten. Zum Zeichen, dass Gott unsere Schuld auslöscht, wurden die Zettel verbrannt. 

Pfarrer Bruckes segnete außerdem eine Schale mit Wasser, mit dem sich die Gläubigen später im Heiligtum segnen konnten, um so „durch die Erneuerung der Taufe selbst zur offenen Tür zu werden – für die Gnade Gottes und für die Menschen“. Zum Ende der kurzen Zeremonie hatte jeder die Gelegenheit, selbst durch die Pforte der Barmherzigkeit zu gehen. Übers Jahr sind eine Reihe von Veranstaltungen, unter anderem zwei Wallfahrten im Mai und Oktober geplant.   

 

Kurzfristige Verschiebung in Kornelimünster  

„Propst Vienken ist nach dem gestrigen Firmgottesdienst gestürzt und befindet sich zur Untersuchung im Krankenhaus, so dass wir die Eröffnung der Heiligen Pforte verschieben werden“, teilte Gemeindereferent Adrian Reipen zu Beginn des Gottesdienstes in Kornelimünster mit. Die Heilige Pforte in der Wallfahrtskirche St. Kornelius, die Tür zur alten Sakristei, ist somit zunächst verschlossen geblieben. Sie wird voraussichtlich im Januar eröffnet. Propst Ewald Vienken konnte das Krankenhaus wieder verlassen, ist in nächster Zeit aber auf Krücken angewiesen.  

Von Steffi Tucholke, Dorotheé Schenk, Andrea Thomas und Paul Heesel  

 

Barmherzigkeit weist neue Wege - Feierlich eröffnete St. Vitus in Mönchengladbach das Heilige Jahr  

 

Zur Eröffnung des Heiligen Jahres wurde das Westportal des Mönchengladbacher Münsters als Pforte der Barmherzigkeit geöffnet. Die Gemeinde zelebrierte den Moment mit einer Prozession von der benachbarten Citykirche aus. 

Drei Mal klopfte Pater Wolfgang an die Pforte des Westportals, bevor sie ihm von innen geöffnet wurde. Dann entriegelte der Geistliche den zweiten Portalflügel und ließ die Gemeinde in das Münster eintreten. Mit diesem festlichen Akt eröffnete die Pfarrei St. Vitus das Heilige Jahr der Barmherzigkeit. 

„Durch den ungewohnten Eingang geht man anders in das Münster hinein“, stellte Diakon Aloys Bruch in seiner Predigt fest. „Das Jahr der Barmherzigkeit ist eine Einladung, uns selbst und die Kirche neu zu sehen und zu verändern.“ Gerade jetzt in die Weihnachtszeit passe der Beginn gut. „Freut euch über den Gott, da wird uns ein Schnäppchen angeboten“, spielte Bruch „Sogar ein Super-Schnäppchen des Lebens, weil da jemand ist, der ständig nachschenkt aus vollem göttlichen Herzen.“ 

Während die Erwachsenen aus der Gemeinde im Münster die Predigt hörten, versammelte Gemeindereferent Christoph Rütten die Kinder in der Krypta. In trautem Kreis sprach er mit ihnen über die Bedeutung von Barmherzigkeit und deren enge Verwandtschaft mit Warmherzigkeit. Was das ist, konnten die Mädchen und Jungen ohne Weiteres erklären. „Wenn man gut ist und Liebe in sich spürt und Wärme“, sagte ein kleiner Junge. Zur gleichen Zeit wie im Kirchenraum wurde auch in der Krypta aus dem Evangelium nach Lukas über Johannes den Täufer gelesen. „Johannes gibt den Menschen Tipps mit auf den Weg“, erklärte Rütten. „Das sind auch gute Tipps für uns.“ 

Im Heiligen Jahr wird es im Münster ab Januar wöchentliche Pilgertage mit Beichtgelegenheit und Messfeier geben. Zudem wird gerade ein umfassendes Programm erarbeitet. Informationen gibt es unter www.pfarre-sankt-vitus.de

von Garnet Manecke 


Von KirchenZeitung für das Bistum Aachen

Veröffentlicht am 17.12.2015

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