Kirche im Raum Aachen
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In der Region Aachen gibt es unterschiedliche Angebote für trauernde Menschen

Maria Pirch, Adelheid Schönhofer-Iyassu und Angela Klisch (v. l.) begleiten und beraten Trauernde in Aachen.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 45/2015

Über Trauer und Tod reden lernen

Kinder unterdrücken nach dem Tod eines Familienmitglieds oft ihre Gefühle, was sehr viel Kraft kostet

„Kinder springen in ihre Trauer wie in eine Pfütze“, sagt Adelheid Schönhofer-Iyassu, Trauerkoordinatorin des Malteser Hilfsdienstes in Aachen. „Und genau so schnell verlassen sie die Trauerpfütze wieder.“ Viele Erwachsene hingegen schleppten ihre Trauer wie einen schweren Sack mit sich herum.

Trotzdem verdrängen Kinder und Jugendliche nach dem Tod eines Familienmitglieds eigene Gefühle, um die Familie nicht zu belasten. Sie wirken stark und verantwortungsbewusst. Abends im Bett weinen sie, haben Bauchschmerzen, fühlen sich allein oder sind wütend. Trauerexpertin Mechthild Schroeter-Rupieper ermuntert Kinder, über Trauer und Todesfälle zu sprechen, und ermahnt Erwachsene, seien es Eltern, Kindergärtnerinnen oder Lehrer, sie aktiv dabei zu unterstützen.


Die Energie fehlt, um ein fröhliches Leben zu führen

Trauer zu unterdrücken, so Schroeter-Rupieper kürzlich bei einem Vortrag in Aachen, koste soviel Kraft, wie einen luftgefüllten Ball unter Wasser zu halten. Diese Kraft fehlt, um ein lebendiges und fröhliches Leben zu führen.


Erwachsene schützen sich vor Traurigkeit der Kinder

Gefühle und quälende Gedanken, die nicht bewusst gemacht werden, belasten. Hätte ich der todkranken Mama doch nicht gewünscht, dass sie endlich stirbt. Hätte ich Opa besucht, würde er noch leben. Und die junge Witwe sagt ihren Kindern, dass man nicht traurig sein solle, damit Papa nicht traurig wäre. „Wenn wir Kinder schützen wollen, schützen wir eigentlich uns, weil wir die Traurigkeit der Kinder nicht aushalten können“, bringt Schroeter-Rupieper ihre Erfahrung auf den Punkt. Kinder, die die tote Oma oder den toten Vater nicht gesehen haben, verstehen nicht, dass sie endgültig gegangen sind.


Damit sich keine falschen Vorstellungen einnisten

Eltern können ihren Kindern helfen, indem sie erklären, was sie erwartet: zum Beispiel, dass der tote Körper steif und kalt ist. Kindertagesstätte und Schule sollten den Tod thematisieren, damit sich keine falschen Vorstellungen einnisteten. Als ein Totengräber Kindern erklärte, dass es in zwei Metern Tiefe gar keine Würmer gäbe, die Körper zerfressen könnten, sei die Erleichterung groß gewesen.

Behimmelung statt Beerdigung sollte es heißen, wünschte sich ein Junge beim Gespräch im Kindergarten, weil die Seele doch hoch in den Himmel fliege. Tröstende Vorstellungen fördern, das Geschehene bereden und Gefühle zulassen: Das machen auch die Aachener Trauerbegleiterinnen mit ihren Angeboten „Diesseits“ und Trauercafé Tabitha.


Trauerarbeit kann man Jahre später nachholen

Maria Pirch, Gemeindereferentin in der Pfarrei Franziska von Aachen, bekam sogar eine Anfrage aus einem Unternehmen. Der Sohn eines Mitarbeiters war gestorben. 80 Kollegen wollten sich darauf vorbereiten, den Vater nach seiner Rückkehr an den Arbeitsplatz zu empfangen. „Was gut ist an Trauerarbeit: Dass man sie nach Jahren noch nachholen kann“, tröstet Mechthild Schroeter-Rupieper alle, die sich erst jetzt ihrer Trauer stellen können.


Von Paul Heesel

Veröffentlicht am 04.11.2015

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