Kirche im Raum Aachen
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Beim Burtscheider Inklusionsprojekt

Strampeln für einen Stadtteil, in dem Inklusion alltäglich gelebt wird: Gudrun Jörißen von der Einrichtungsleitung des Vinzenz-Heims legt sich ins Zeug.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 42/2015

Ideenschmiede braucht neues Feuer

„Wir alle“ hat in Aachen-Burtscheid viel für Inklusion bewegt und benötigt eine Anschlussfinanzierung

Vor drei Jahren ging das Inklusionsprojekt „Wir alle“ in Aachen und der Städteregion an den Start. Das Vinzenz-Heim hatte die Projektverantwortung für Burtscheid übernommen. Heute nach Projektende hat sich der Stadtteil verändert, bietet deutlich mehr Möglichkeiten der Inklusion.

Am Anfang war es gar nicht so leicht: Durch die Diskussion über die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung hatte der Begriff Inklusion bereits etwas Schweres an sich, als Monika Zimmermann als Projektverantwortliche vom Vinzenz-Heim auf die Reise geschickt wurde. Ihre Aufgabe: mehr Teilhabe für Menschen mit Behinderung im Sozialraum zu ermöglichen.

 

Begegnungsräume für die Menschen schaffen

Sie traf auf viele Bedenkenträger, aber auch auf einige Enthusiasten. Dazu gehörten die Leiterin des integrativen Familienzentrums Clara Fey der Caritas-Lebenswelten, Denise Gluth-Wolke, Stefan Oetzel vom Burtscheider Turnerbund (BTB) sowie Achim Kistermann und später Wilfried Braunsdorf vom Burtscheider Turnverein (BTV). Mit ihnen hat Zimmermann erst einmal die Möglichkeiten ausgelotet, ohne sich direkt mit den schwierigen Details der Umsetzung aufzuhalten. Weitere Institutionen kamen dazu. In drei Jahren entstand ein gut funktionierendes Netzwerk, das weiter genutzt, gepflegt und ausgebaut werden soll. „,Wir alle‘ ist ein Name, mit dem das Netzwerk eine eigene Identität bekommen hat.

Hier entstehen immer wieder neue Ideen, weil wir uns gegenseitig beflügeln“, schwärmt Gluth-Wolke. Das Netzwerk ist Keimzelle für Begegnung wie beim inklusiven Sport- und Spielefest der Burtscheider Aktionstage. Hier präsentieren sich Vereine und Einrichtungen, kommen Alt und Jung, Menschen mit und ohne Behinderung unverkrampft zusammen, spielen, jubeln und feiern gemeinsam. „Es wird klar: Der gleiche Lebensraum passt für alle. Und jeder profitiert“, erläutert Gluth-Wolke. Eine leicht höhere Hemmschwelle hat das neue Angebot der inklusiven Ballspielgruppe für Zwei- bis Sechsjährige beim BTB. Die Angst der Eltern ist allerdings oft nicht so sehr in der Behinderung eines Kindes begründet, sondern eher in ihren sozialen Verhältnissen.

„Inklusion bedeutet Teilhabe aller unabhängig von ihren Voraussetzungen“, erklärt Gluth-Wolke. Also nahm ihre Kollegin Inge Obermeyer die Familien an die Hand, um ihnen über die Hürde zu helfen. Das sind zwei Projektergebnisse, die bleiben. Doch es steht viel mehr auf der Haben-Seite: „Der BTB hat in den drei Jahren eine faszinierende Identitätsentwicklung hingelegt. Das ist jetzt der ‚Verein für alle‘“, gibt Zimmermann ein Beispiel. Ein neues Projekt für Bewegungstheater mit Grundschulkindern ist bereits in Arbeit. Und dem Begriff Inklusion wurde sehr viel von seiner Schwere genommen.

 

Dem Thema Inklusion die Schwere genommen

„Wir konnten ohne fixe Zielvorgabe einfach mit Leichtigkeit ausprobieren. So entstanden die Kaffeetafel und die Cocktailbar am Elisenbrunnen. Das hat anderen Mut gemacht, Inklusion auch mal anders zu denken“, sagt Zimmermann und meint damit vor allem Politik und Verwaltung. Bei allem Erfolg bleibt ein Wermutstropfen: Eine Anschlussfinanzierung gibt es nicht. Auch Stadt oder Städteregion sind bisher nicht für die freien Träger in die Bresche gesprungen, um mit Personal oder Geld eine bleibende Basis für Koordination und Öffentlichkeitsarbeit zu schaffen.


Von Rauke Xenia Bornefeld

Veröffentlicht am 14.10.2015

 
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